Wie funktioniert BarCount?

BarCount schätzt deinen Blutalkoholwert (BAK) direkt auf der Smartwatch – mithilfe des Widmark-Modells, der Watson-Formel und einer transparenten Abbau-Spanne. Diese Seite erklärt, was die App tut, welche Formeln dahinter stehen, wie genau die Schätzung ist und warum deine Daten nie deine Uhr verlassen.

Veröffentlicht: 14. April 2026  ·  Autor: Tom Goeckeritz  ·  Lesezeit: ca. 6 Min.
Wichtig: BarCount ist ein Schätzwerkzeug zur Orientierung, kein medizinisches Messgerät. Die App trifft keine Aussage zur Fahrtüchtigkeit. Verlasse dich im Zweifel nie auf eine geschätzte BAK – fahre nicht.

1. Was BarCount macht – in einem Satz

BarCount protokolliert deine Getränke mit einem Tap auf der Apple Watch oder Wear-OS-Uhr, berechnet daraus in Echtzeit einen geschätzten Blutalkoholwert und zeigt dir, wann du voraussichtlich wieder bei 0,0 ‰ bist – alles offline, ohne Account, ohne Cloud.

2. Die drei Phasen der Alkohol-Pharmakokinetik

Jede BAK-Berechnung – auch die in BarCount – modelliert drei aufeinanderfolgende Vorgänge im Körper:

  1. Absorption: Alkohol wandert aus dem Magen und Dünndarm ins Blut. Dies dauert je nach Mageninhalt, Getränkeart und Trinktempo zwischen 15 Minuten und bis zu 2 Stunden nach dem letzten Schluck.
  2. Verteilung: Alkohol verteilt sich im Körperwasser. Wie viel Körperwasser du hast, hängt von Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht ab.
  3. Elimination: Die Leber baut Alkohol linear ab – typischerweise mit 0,10 bis 0,25 ‰ pro Stunde, je nach Person.

BarCount bildet alle drei Phasen als Zeitreihe ab: Jedes Getränk ist ein Ereignis mit Zeitstempel, und die App rechnet zu jedem Moment die aktuelle, gerade wirksame Alkoholmenge zusammen.

3. Die Formeln – transparent erklärt

3.1 Reinalkohol je Getränk

Der erste Schritt ist immer, aus Volumen und Alkoholgehalt (Vol-%) die Gramm reinen Ethanols zu berechnen:

Gramm = Volumen_ml × (Vol-% ÷ 100) × 0,789

Der Faktor 0,789 g/ml ist die Dichte von Ethanol (NIST). In der deutschen Präventionsliteratur (BIÖG/BZgA) wird näherungsweise 0,8 verwendet – der Unterschied liegt im niedrigen Prozentbereich und ist deutlich kleiner als die biologische Unsicherheit.

3.2 Widmark-Formel für den theoretischen Peak

Die klassische Widmark-Formel liefert die maximale theoretische BAK ohne Abbau:

BAK_max (‰) = Alkoholmasse_g ÷ (Körpermasse_kg × r)

Der Faktor r ist der Reduktions- bzw. Verteilungsfaktor. Klassische Werte sind 0,68 bei Männern und 0,55 bei Frauen – sie repräsentieren den durchschnittlichen Anteil des Körperwassers.

3.3 Watson-Formel für ein persönliches Verteilungsvolumen

BarCount nutzt zusätzlich die Watson-Formel, um das Gesamtkörperwasser (Total Body Water, TBW) aus Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht abzuschätzen. Das ergibt einen individuelleren Verteilungsfaktor als der pauschale Widmark-r und verbessert die Schätzqualität deutlich – besonders bei Personen, die vom „Durchschnittskörper" abweichen.

3.4 Abbau über die Zeit

Sobald Alkohol im Blut ist, baut die Leber ihn annähernd linear ab:

BAK(t) = BAK_peak − β × t

Forensische Leitlinien (NIST/OSAC) nennen β = 0,010 – 0,025 g/dL pro Stunde als typische Spanne – umgerechnet etwa 0,10 – 0,25 ‰ pro Stunde. BarCount verwendet die Mitte dieser Spanne als Punktschätzung.

4. Welche Parameter BarCount braucht

Damit die Berechnung funktioniert, erfasst BarCount einmalig dein Körperprofil und dann jedes Getränk als Ereignis. Hier die Übersicht:

ParameterVerwendungPflicht?
Gewicht (kg)Kernvariable der VerteilungJa
GeschlechtProxy für Körperwasser-AnteilJa
AlterWatson-Formel (Körperwasser)Empfohlen
Größe (cm)Watson-Formel (Körperwasser)Empfohlen
Getränk: ZeitpunktZeitachse, Absorption/AbbauJa
Getränk: Menge (ml)Ethanol-DosisJa
Getränk: Vol-%Ethanol-DosisJa (Preset-Default möglich)
Essen vor/beim TrinkenVerlängert AbsorptionsdauerOptional

5. Standardgläser: wie viel Gramm Alkohol steckt wirklich drin?

Damit die Berechnung stimmt, muss BarCount wissen, wie viel Reinalkohol in deinem Getränk tatsächlich landet. Die folgende Tabelle basiert auf den Standardgläsern des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehemals BZgA) und ergänzt typische Bar-Drinks. Alle Werte sind Richtgrößen – die App lässt dich jedes Preset einzeln anpassen.

GetränkPortionVol-%Reinalkohol
Bier (Pils, klein)0,3 l~5 %~12 g
Bier (Helles, groß)0,5 l~5 %~20 g
Radler / Alster0,5 l~2,5 %~10 g
Wein / Sekt (Achtel)0,125 l~12 %~12 g
Wein / Sekt (Viertel)0,25 l~12 %~24 g
Portwein / Sherry0,1 l~15 %~12 g
Shot (Spirituose)4 cl~38 %~12 g
Jägermeister (kleiner Shot)2 cl35 %~5,5 g
Jägermeister (Shot)4 cl35 %~11 g
Gin Tonic / Vodka Lemon4 cl Spirit~40 %~12 g
Aperol Spritz (Original)90/60/30 mlProsecco 11 %, Aperol 11 %~13 g
Mojito (IBA)45 ml Rum~40 %~14 g
Alcopop0,33 l~6 %~16 g
Alkoholfreies Bier0,5 lbis 0,5 %bis ~2 g

Hinweis: Auch als „alkoholfrei" gekennzeichnete Getränke dürfen in Deutschland bis zu 0,5 Vol-% enthalten. Wer viele davon trinkt, sammelt über den Abend trotzdem Gramm Ethanol.

6. Schritt-für-Schritt-Beispiel: ein typischer Bar-Abend

Ein 80 kg schwerer Mann trinkt über drei Stunden verteilt:

Mit r = 0,7 und β = 0,15 ‰/h ergibt BarCount um 23:00 Uhr eine Punktschätzung von etwa 0,25 ‰. Das Bier ist zu diesem Zeitpunkt bereits nahezu vollständig abgebaut, Wein und Schnaps tragen den Großteil des Restwerts.

Im Essens-Modus verlängert BarCount die Absorptionsdauer (weil der Magen voll ist), wodurch der Peak flacher ausfällt und der Gesamtverlauf realistischer wird.

7. Wie genau ist die Schätzung wirklich?

Ehrliche Antwort: eine Promille-Schätzung ist immer eine Schätzung, kein Messwert. Die Gründe:

BarCount versucht deshalb nie, einen scheinbar „exakten" Wert vorzutäuschen. Die angezeigte Zahl ist als Orientierung gedacht – nicht als Freigabe für irgendetwas.

8. Binge Drinking und besondere Risikogruppen

Die US-Gesundheitsbehörde NIAAA definiert Binge Drinking als Trinkmuster, das zu einer BAK von ≥ 0,08 g/dL (≈ 0,8 ‰) führt – typischerweise 4+ Drinks für Frauen bzw. 5+ Drinks für Männer innerhalb von etwa zwei Stunden. In diesem Bereich vergrößern sich die Unsicherheiten der Schätzung spürbar, weil späte Drinks den Peak stark nach hinten verschieben und bereits kleine Fehlannahmen bei ABV oder Glasgröße viel stärker durchschlagen.

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft ist Alkohol niemals unbedenklich: Mutter und Kind haben innerhalb weniger Minuten denselben Alkoholspiegel. Die Empfehlung des BIÖG ist eindeutig: kompletter Verzicht. BarCount trifft in dieser Situation keine beschönigenden Aussagen und sollte nicht als Rechtfertigung verstanden werden, einzelne Drinks „durchzulassen".

Medikamente und Erkrankungen

Wer Medikamente nimmt, sollte vorher klären, ob Alkoholkonsum überhaupt erlaubt ist. Lebererkrankungen, Stoffwechselstörungen und bestimmte Medikamente verändern die Abbauraten mitunter deutlich – die Schätzung in BarCount kann diese Effekte nicht modellieren.

9. Warum deine Daten nie deine Uhr verlassen

BarCount ist konsequent local-first. Konkret heißt das:

Gesundheitsnahe Daten wie Alkohol-Logs sind besonders sensibel. Der einfachste und sicherste Schutz ist, sie gar nicht erst zu übertragen. Details stehen in der Datenschutzerklärung.

10. Rechtlicher Rahmen: Promillegrenzen in Deutschland

BarCount ersetzt keine rechtliche Beratung – als Orientierung hier die wichtigsten Grenzwerte für Deutschland:

Die EU-Kommission empfiehlt für die Allgemeinbevölkerung 0,5 g/L oder niedriger und für Fahranfänger 0 bzw. nahe 0. BarCount zeigt diese Werte rein informativ – niemals als Fahrfreigabe.

11. Was BarCount bewusst nicht tut

Zusammengefasst: BarCount gibt dir einen klaren, transparenten Blick auf deinen Getränkekonsum und den ungefähren Alkoholspiegel – und hilft dir, am Ende des Abends zu wissen, was du wirklich getrunken hast. Die harte Entscheidung, ob du noch Auto fährst, kann und will die App dir nicht abnehmen. Fahre im Zweifel nicht.

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